Erfolgreich bauen mit «best for project»

Prof. Nora Dainton lehrt an der FHNW am Institut Digitales Bauen zu Themen wie Prozessgestaltung, kritisches Denken und projektbasierte Lehre.

Interview: Michael Milz | 18.03.2025

Nora Dainton, was muss eine angehende Planerin, ein angehender Planer mitbringen, um in dieser von schnellen und grossen Veränderungen geprägten Arbeitswelt bestehen zu können?
Grundsätzlich das, was man als «21st Century Skills» bezeichnet: kritisches Denken, Kommunikationsfertigkeit, Zusammenarbeitsfähigkeit, Kreativität in der Lösungssuche sowie ein sicherer Umgang mit Technologie und Daten, die sogenannte Data Literacy. Für Planende und andere Stakeholder in der Baubranche heisst das: Hinterfragen bestehender Prozesse, Offenheit in Projekten – und ganz wichtig: ein Best-for-Project-Denken, also das Denken, was das Beste für das Projekt und nicht für den oder die Einzelne ist. Spannend finde ich zudem, wenn man sich aus anderen Gebieten inspirieren lässt und über den Tellerrand hinausdenkt. Bei all dem gilt es aber, den Faktor Mensch nicht aus den Augen zu verlieren, denn die coolsten Tools allein bringen nicht viel.

In einem Beitrag des SBV sagen Sie, dass «die Baubranche nur weiterkommt, wenn die Zusammenarbeit funktioniert, passende Organisationsformen und Prozesse aufgesetzt werden sowie die digitale Transformation vorangetrieben wird». Wie sehen passende Organisationsformen aus?
Wie bereits erwähnt, bin ich davon überzeugt, dass wir dann erfolgreich bauen können, wenn wir «best for project» denken. Dafür dürfen Prozesse und Organisationen nicht nur linear, eindimensional und monokausal gedacht werden, sondern es braucht auch Kommunikation, Systemdenken, Transparenz sowie Vertrauen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Hierarchische, stark unterteilte und siloartige Organisationsformen greifen da zu kurz.

Passende Organisationsformen könnten verschiedene Allianzmodelle sein, die Bauprojekte anders aufgleisen. Dazu gehören auch Methoden aus der Selbstorganisation – etwa Kreisorganisation mit doppelter Verlinkung –, die den Informationsfluss zwischen den verschiedenen Bereichen erhöhen.

Welche Rolle spielen hier Hochschulen, Verbände oder staatliche Stellen?
Eine grosse! Sie haben das Potenzial, Treiber und Ermöglicher für eine Weiterentwicklung zu sein. Eine Aus- oder Weiterbildung ist ein Denkraum, den man zur Verfügung gestellt bekommt und den man dank dieser Institutionen mit Methoden, Fähigkeiten, Impulsen und Möglichkeiten befüllen und erweitern kann – das ist Horizonterweiterung! Dank Aus- und Weiterbildung kann man die notwendigen Kompetenzen erlangen, um die Digitalisierung der Baubranche voranzutreiben, passende Organisationsformen zu wählen und digitale Tools zu meistern.

Master-Studiengang

Die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW bietet mit dem «MSc in Virtual Design and Construction (VDC)» einen interdisziplinären Master-Studiengang an, der Kompetenzen rund um das digitale Planen, Bauen und Bewirtschaften von Bauwerken bietet.