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Die beiden Baukostenpläne BKP und eBKP-H im Vergleich

Baukosten können nach Arbeitsgattungen oder nach Bauteilen gegliedert werden. Dafür stellt CRB zwei unterschiedliche Kostengliederungen – den Baukostenplan BKP und den Baukostenplan Hochbau eBKP-H bzw. den Baukostenplan Tiefbau eBKP-T – zur Verfügung. Die Wahl der Gliederung hängt vom jeweiligen Informationsbedürfnis und von der Aufgabe der am Bauprojekt Beteiligten ab sowie von den Besonderheiten des Projekts und der Phase, in der die Kosten betrachtet werden sollen.

Text: Tanja Heublein, Leiterin Entwicklung & Technologie

Grundsätzlich dienen Baukostenpläne als Gliederung für die Darstellung der Kosten eines Bauprojekts. Diese Gliederung kann entweder nach Arbeitsgattungen (Baumeister, Maler, Elektriker usw.) oder nach Bauteilen (Bodenplatte, Aussenwand usw.) erfolgen. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der Kostenplanung um einen wiederkehrenden Prozess aus Kostenermittlung, Kostenkontrolle und Kostensteuerung während des gesamten Planungs- und Bauprozesses handelt, werden Baukostenpläne in allen Phasen eines Bauprojekts – von der strategischen Planung bis zur Realisierung – eingesetzt. Aktuell stellt CRB die nachfolgend aufgeführten Baukostenpläne in Form von Normen zur Verfügung.

Gliederung der Baukosten nach Arbeitsgattungen:

  • SN 506 500 «Baukostenplan BKP», Ausgabe 2017

Gliederung der Baukosten nach Bauteilen:

  • SN 506 511 «Baukostenplan Hochbau eBKP-H», Ausgabe 2020
  • SN 506 512 «Baukostenplan Tiefbau eBKP-T», Ausgabe 2017

Baukostenplan BKP

Die Norm SN 506 500 «Baukostenplan BKP» gibt eine ausführungsorientierte Gliederung für Hochbauprojekte vor und gewährleistet hierdurch eine einheitliche und vergleichbare Kostengliederung nach Arbeitsgattungen. Mithilfe des Baukostenplans BKP können alle Kosten, die während der Planung und Realisierung eines Bauprojekts anfallen, erfasst werden. Hierzu gehören der Grundstückserwerb, die Gebäudekosten, die Kosten für Einrichtungen, Umgebung und Ausstattungen, sämtliche Honorare sowie Nebenkosten aller Art.

Mithilfe der hierarchischen Gliederung können je nach Informationsbedürfnis unterschiedlich detaillierte Kostenermittlungen erarbeitet werden. Hierzu stellt der Baukostenplan BKP vier normierte Ebenen zur Verfügung: Hauptgruppen, Gruppen, Untergruppen und Gattungen. Je nach Anwendungszweck und Phase des Planungs- und Bauprozesses kann der Anwender den geeigneten Detaillierungsgrad für seine Kostengliederung wählen. Darüber hinaus sind die vier Ebenen anwender- oder projektspezifisch erweiterbar, sodass auch besondere Informationsbedürfnisse, welche nicht mit der normierten Gliederung abgedeckt werden, berücksichtigt werden können. Hierzu dienen beispielsweise die Hauptgruppen 6, 7 und 8 mit dem Titel «Reserve».

Werden Kostenvoranschläge und Ausschreibungen systematisch nach dem Baukostenplan BKP gegliedert, können die Zahlen aus Angeboten und Werkverträgen ohne Transformation in das Kosten- und Terminmanagement überführt werden. Die Untergruppen oder Gattungen (drei- oder vierstelliger Code) entsprechen dabei in der Regel entweder einem Werkvertrag oder einem Auftrag. Der Vorteil der Verwendung des BKP zur Gliederung der Vergabeunterlagen liegt darin, dass die Ebene der BKP-Gattungen (= vierstelliger Code) in etwa den Kapiteln des Normpositionen-Katalogs NPK entspricht. Die Gliederung des Baukostenplans BKP kann somit für Kostenvoranschläge, Kostenkontrollen und Abrechnungen oder als Basis für statistische Projektauswertungen nach Arbeitsgattungen verwendet werden, ebenfalls sind interne und externe Kostenvergleiche möglich.

Im Hinblick auf die bauadministrative Überführung der Kostenplanung in die Phase der Realisierung bietet die Gliederung des Baukostenplans BKP demnach Vorteile. Bei näherer Betrachtung muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass ausführungsorientierte Kostenermittlungen in frühen Planungsphasen eher schwierig sind, da die Planung eines Bauprojekts hauptsächlich auf Basis einer bauteilorientierten Denkweise erfolgt und die ausführungsorientierte Sicht erst im Rahmen der späteren Realisierungsphase an Bedeutung gewinnt.

Baukostenplan Hochbau eBKP-H

Mit der Norm SN 506 511 «Baukostenplan Hochbau eBKP-H» wird eine planungsorientierte Kostengliederung für Hochbauprojekte zur Verfügung gestellt. Der Baukostenplan Hochbau eBKP-H gliedert die Kosten eines Bauprojekts nach einzelnen Bauteilgruppen, Bauteilen oder Elementen, die sich mit der standardisierten Strukturerweiterung «eBKP-Gate» problemlos mit der Leistungsbeschreibung bzw. den Positionen des Normpositionen-Katalogs NPK im Rahmen der Ausschreibung verknüpfen lassen.

Hierfür bietet der Baukostenplan Hochbau eBKP-H drei normierte Gliederungsebenen: Hauptgruppen (z.B. C «Konstruktion Gebäude»), Elementgruppen (z.B. C01 «Fundament, Bodenplatte») und Elemente (z.B. C01.01 «Unterbau Fundament, Bodenplatte»). Für jede einzelne Ebene des Baukostenplans Hochbau eBKP-H sind Kosten- und Bezugsgrössendefinitionen vorhanden, was eine eindeutige Zuordnung der einzelnen Bauteile über alle Phasen des Planungs- und Bauprozesses hinweg ermöglicht. Reicht die vorgegebene Gliederung des eBKP-H aufgrund der spezifischen Eigenschaften des Bauprojekts nicht aus, kann die vorgegebene Struktur analog zum Baukostenplan BKP um projektspezifische Hauptgruppen, Elementgruppen und Elemente ergänzt werden.

Der Baukostenplan Hochbau eBKP-H bietet somit eine fundierte Grundlage, um die Kosten eines Hochbauprojekts systematisch und präzise zu erfassen, zu bearbeiten, zu vergleichen und auszuwerten. Möglich wird dies durch die Bezugsgrössen, welche auf allen Ebenen des eBKP-H normiert sind. Die Verwendung eindeutiger Termini, die strukturierte Zuordnung der Bezugsgrössen und Kosten sowie die transparente Darstellung der Einflussfaktoren werden durch die Anwendung des eBKP-H unterstützt. Der Baukostenplan Hochbau eBKP-H kann daher als widerspruchs- und redundanzfreies, praxistaugliches sowie für alle Beteiligten eindeutiges Arbeitsmittel bezeichnet werden, welches sich auch im Sinne einer Checkliste verwenden lässt.

BKP oder eBKP-H?

Die oben dargestellten Vorteile der eBKP-Methodik – Eindeutigkeit, Transparenz und Bauteilorientierung – werden mittlerweile immer stärker auch in der Praxis wahrgenommen. Bei der Umstellung wird in kleinen Schritten vorgegangen, indem beispielsweise Kostenschätzungen nach der Gliederung des Baukostenplans Hochbau eBKP-H erstellt werden, während für die Ausarbeitung von Kostenvoranschlägen nach wie vor der Baukostenplan BKP zur Anwendung kommt. Auf diese Weise kann die hauseigene Datenbank mit Kostenkennwerten Stück für Stück nachgeführt und sukzessive Know-how im Umgang mit der eBKP-Methodik aufgebaut werden. Für die Unternehmen liegen die Vorteile des Baukostenplans Hochbau eBKP-H dabei auf der Hand: Die Kostenermittlung nach eBKP-H erlaubt es, TU-/GU-Offerten schneller zu berechnen. Darüber hinaus sind bei einer Kostenermittlung nach eBKP-H die effektiven Gebäudekosten ersichtlich, ohne systembedingte Ungenauigkeiten wie bei einer Kostenbetrachtung nach Baukostenplan BKP.

Fazit

Als ausführungsorientierte Kostengliederung für Hochbauprojekte ermöglicht der Baukostenplan BKP eine systematische Erfassung der Kosten nach Arbeitsgattungen und eignet sich daher gut für die Gliederung von Kostenvoranschlägen oder Ausschreibungen. Demgegenüber lassen sich die Kosten eines Bauprojekts mit dem elementbasierten Baukostenplan Hochbau eBKP-H bezogen auf einzelne Elemente bzw. Bauteile ausweisen. Im Vergleich zum Baukostenplan BKP bietet der Baukostenplan Hochbau eBKP-H den Vorteil, dass Kostenermittlungen nach eBKP-H über das «eBKP-Gate» schlüssig mit der Gliederung des Normpositionen-Katalogs NPK verknüpft werden können, was die Transparenz und Durchgängigkeit der Kostenplanung über den gesamten Planungs- und Bauprozess erhöht. Aktuelle Diskussionen im Zusammenhang mit den Themen Digitalisierung und BIM zeigen zudem, dass sich elementbasierte Kosteninformationen leichter in digitale Bauwerksmodelle einbinden lassen, was je nach Tätigkeitsfeld des Unternehmens ebenfalls ein Argument für eine konsequente Anwendung des Baukostenplans Hochbau eBKP-H als Kostengliederung darstellt.

Eine grundsätzliche Empfehlung für den ausführungsorientierten Baukostenplan BKP oder den planungsorientierten Baukostenplan Hochbau eBKP-H kann daher nicht ausgesprochen werden. Es ist vielmehr notwendig, unter Berücksichtigung des Informationsbedürfnisses und der jeweiligen Aufgabe der an einem Bauprojekt Beteiligten, der Besonderheiten des jeweiligen Projekts sowie der Phase, in welcher die Kosten eines Bauprojekts betrachtet werden, diejenige Kostengliederung zu wählen, die sich für den spezifischen Einzelfall am besten eignet.

Ist der eBKP auch als Vergabestruktur anwendbar?

Die klassische Vergabestruktur ist ausführungsorientiert und bildet die Gewerke ab. D.h. es werden Arbeitspakete gebildet wie Beton-, Aushub- oder Spezialtiefbauarbeiten. Das Aufteilen nach Arbeitspaketen oder Losen wird daher stark von den verwendeten NPK-Kapiteln beeinflusst. 

Die NPK-Struktur lässt sich zunächst nur bedingt eins zu eins auf die Elementstruktur des eBKP-H übertragen. Bei der Erweiterung mit dem eBKP-H Gate ist jedoch über die Teilelemente und Komponenten (4. und 5. Stufe) die direkte Verbindung zum NPK gegeben. Somit können in der eBKP-H-Struktur ermittelte Kosten zu Vergabeeinheiten gemäss den NPK-Kapiteln budgetiert und umgekehrt aus abgerechneten Verträgen der Gewerke Einheitspreise gemäss der eBKP-H-Elementstruktur ermittelt werden. 
Der Schritt der Budgetierung und der umgekehrten Kennwertbildung kann händisch oder teilautomatisiert erfolgen, sollte aber projektspezifisch bewusst kontrolliert und gesteuert werden.

Wie wird der eBKP in der Realisierungsphase angewendet?

Mit dem eBKP werden die geplanten Kosten dargestellt. Diese Struktur ist massgebend für die Kontrolle und für die Prüfung der durch die erbrachten Leistungen entstandenen effektiven Kosten. Mit der zuvor festgelegten Zuordnung der ausführungsorientierten NPK-Struktur zur Elementstruktur des eBKP kann der laufende Vergleich von Ist-Kosten zu geplanten Kosten vorgenommen werden.