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ecoDevis – ökologische Vorgaben nach NPK

Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Ökologie sind Hilfsmittel gefragt, die den Weg in eine nachhaltigere Bauwirtschaft ebnen. ecoDevis liefert ökologische Leistungsbeschreibungen nach NPK. Die geplanten Neuerungen verschärfen die Anforderungen und schaffen so stärkere Anreize für mehr Nachhaltigkeit im Bau. 

Michael Milz
26.09.2023

Im Rahmen des Übereinkommens von Paris hat sich die Schweiz dazu verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) bis 2050 auf Netto-Null zu senken. Dafür wird auch die Bauwirtschaft ihren Beitrag leisten müssen, denn Gebäude und Infrastrukturen sind laut der «Charta kreislauforientiertes Bauen» verantwortlich für «rund 50 Prozent des Rohstoffbedarfs, einen Drittel der CO2-Emissionen und über 80 Prozent des Abfallaufkommens».

 

Viel Potenzial für Verbesserungen

Entsprechend gross ist das Potenzial für Einsparungen und Verbesserungen, wenn so ambitionierte Ziele wie «Netto Null» oder der CO2-Absenkpfad erreicht werden sollen. Die Charta ist ein Bekenntnis zur gemeinsamen Ambition, «bis 2030 die Verwendung von nicht erneuerbaren Primärrohstoffen auf 50 Prozent der Gesamtmasse zu reduzieren, den Ausstoss grauer Treibhausgasemissionen zu erfassen und stark zu reduzieren sowie die Kreislauffähigkeit von Sanierungen und Neubauten zu messen und stark zu verbessern.» Sie wurde am 27. Juni 2023 von Bund, Stadt und Kanton Zürich sowie einer ganzen Reihe privater Grossunternehmen unterzeichnet. Angesichts der immer lauter werdenden Forderungen von Organisationen und Politik sind Instrumente für gesundes und ökologisches Bauen gefragt, um den CO2-Absenkpfad in Angriff zu nehmen und den Bauprozess nachhaltiger und klimafreundlicher zu gestalten.

 

Zusammenarbeit ecobau und CRB

Planerinnen und Planern bietet der Verein ecobau seit rund 20 Jahren verschiedene Werkzeuge an, die sie beim nachhaltigen Bauen unterstützen – darunter den Standard Minergie-ECO, die ecoBKP-Merkblättermit ökologisch und gesundheitsrelevanten Vorgaben für 30 BKP oder das Verzeichnis
der bewerteten Bauprodukte ecoProdukte sowie das Planungsinstrument ecoDevis. Um es den Planern und Architektinnen in der Ausschreibung einfacher zu machen, Bauleistungen ökologisch und gesund auszuschreiben, arbeiten CRB und ecobau eng zusammen. Die Vorgaben von ecobau werden als ecoPositionen in die von CRB zertifizierten Anwenderprogramme integriert und stehen als ecoDevis auf der Website von ecobau kostenlos zur Verfügung. Ebenso sind die Vorgaben auf die Anforderungen aus den Gebäudelabels Minergie(-P/-A)-ECO, SNBS (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz) und SGNI (Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft) abgestimmt.

ecoDevis sind für Planende ein wichtiges Instrument im ökologisch ausgerichteten Ausschreibungsprozess. Sie kennzeichnen Materialien und Bauleistungen, die sich von anderen mit gleicher Funktion durch eine deutlich geringere Umweltbelastung auszeichnen und so Nutzerinnen und Nutzer vor Emissionen und Schadstoffen im Innenraum und die Umwelt vor schädlichen Einträgen schützen. Vergleichbare Materialien und Bauleistungen werden dabei hinsichtlich mehrerer ökologischer Kriterien miteinander verglichen. Die aktuelle Version der ecoDevis ist auf der Website von ecobau abrufbar.

ecoDevis sind auf den Normpositionen-Katalog NPK ausgerichtet; d.h., die entsprechend ausgezeichneten ecoPositionen werden von den durch CRB zertifizierten Bauadministrations-Programmen angezeigt, je nach Software an unterschiedlichen Stellen. Die allgemeinen Anforderungen sind in den Bedingungen in Unterabschnitt 080 «Ökologisches Bauen» aufgeführt und die Materialempfehlungen auf den jeweiligen Positionen. Die Kennzeichnung «E» entspricht der Bewertung 1. Priorität, die Kennzeichnung mit «e» der 2. Priorität.

Aktuell gibt es die Vorgaben für 44 NPK-Kapitel. So können umweltschonende Materialien und Bauleistungen ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand ausgeschrieben werden.

 

Auch im NPK-Viewer ersichtlich

Die ecoPositionen sind auch im NPK-Viewer ersichtlich. Der NPK-Viewer ist eine Web-Applikation von CRB und kann als Checkliste für die Ausarbeitung sämtlicher Leistungsverzeichnisse genutzt werden. Er ermöglicht es Planerinnen und Unternehmern, den gesamten NPK online zu lesen. Dank übersichtlicher Darstellung, rascher und einfacher Navigation sowie professioneller Suchfunktion stellt er sicher, dass die gewünschten Positionen schnell gefunden werden. So gibt es zum Beispiel im NPK-Kapitel 364 «Flachdacharbeiten», in Abschnitt 000 «Bedingungen», im Unterabschnitt 080 «Oekologisches Bauen», für das gesamte Kapitel gültige Vorgaben. Diese sind als Bedingungen in das Leistungsverzeichnis zu übernehmen. Damit wird sichergestellt, dass z.B. auch die notwendigen Nachweise eingefordert werden können. Auf der Ebene der Leistungsposition, z.B. in den Positionen 331.100 bzw. 332.100, werden Materialien zur Wärmedämmung für Flachdächer mit Schutzschicht, extensiver Begrünung oder ohne Schutz- und Nutzschicht aufgeführt, die eine Kennzeichnung nach ecoDevis ausweisen: Steinwollplatten sind mit «1. Prio», Glaswollplatten mit «2. Prio» gekennzeichnet. Bei einer Ausschreibung mit ökologischer Ausrichtung können die entsprechenden Positionen in die Leistungsbeschreibung übernommen werden.

Ökologische Bewertungen auch auf der Bauprodukte-Informationsplattform Die von Herstellern und Lieferanten auf der Bauprodukte-Informationsplattform prd.crb.ch hinterlegten Produkteinträge mit detaillierten Informationen (Bilder, Beschreibungen, Zertifikate, Leistungserklärungen usw.) zu den einzelnen Bauprodukten sind mit den jeweils zutreffenden NPK-Positionen verknüpft. In den von CRB zertifizierten Bauadministrations-Programmen werden diese Produkteinträge bei den entsprechenden NPK-Positionen mit einem Link in Form eines Kürzels (z.B. «PRD» oder «P») angezeigt. So kann während des Erstellens eines Leistungsverzeichnisses über diesen Link auf die Bauprodukte-Informationen zugegriffen und allenfalls direkt das gewünschte Produkt eingesetzt werden. Die Bewertungen von ecobau sind auch in den Produkteinträgen PRD mitverlinkt: Ist ein Produkt entsprechend bewertet (eco1, eco2 oder ecoBasis), wird das im jeweiligen Produkteintrag mit einem Link angezeigt, der auf die entsprechende ecoProdukte-Seite führt. So haben Architekten oder Planerinnen eine wertvolle Hilfestellung bei der Auswahl von ökologisch vorteilhaften Bauprodukten. Einige Hersteller haben auch das entsprechende ecoProdukt-Zertifikat hochgeladen. In den von CRB zertifizierten Bauadministrations-Programmen werden diese ecoDevis-Informationen bei den entsprechenden NPK-Positionen mit einem Link in Form eines Kürzels (z.B. «E» oder «ECO») angezeigt.

Geplante Neuerungen

Nun sind in der Methodik Baumaterialien von ecobau diverse Neuerungen vorgesehen. Diese sollen «den Entscheidungsträgern helfen, ihre Klimastrategien bis hin zu Netto-Null umzusetzen», wie es bei ecobau heisst. Die Bewertung von Materialien und Leistungen erfolgt neu über ein Punktesystem: Je nachdem, ob ein Kriterium erfüllt wird oder nicht, kann es einen oder zwei Punkte Abzug geben. So ergeben sich dann die Grenzwerte eco1 (1. Priorität), eco2 (2. Priorität) und ecoBasis (keine Priorität).

«Neu wird sein, dass die in diesen Prioritäten aufgeführten Materialien nicht nur weniger graue Energie aufweisen, sondern auch tiefere CO2-Werte», so ecobau-Geschäftsleiterin Marianne Stähler. Mit der Verschärfung in der Entsorgung wird der Stellenwert der Kreislauf- und Recyclingfähigkeit gestärkt. «Alle diese Materialien sind somit klimafreundlicher und gesünder für die Nutzenden als solche, die nicht aufgeführt sind.»

Der ökologische Gewinn der neuen Informationen geht aber noch über den unmittelbaren Nutzen hinaus: Letztlich profitieren auch Bund und Gesellschaft mit Blick auf das Pariser Klimaabkommen von 2015. Die neuen Informationen haben auch einen Impact auf die Bauindustrie, weil sie Anreize zur Dekarbonisierung der Baumaterialien und eine Sichtbarkeit und Differenzierung ihrer Anstrengungen schaffen. Ausgehend von den Netto-Null-Vorgaben und den Zielen der Kreislaufwirtschaft können Besteller dank ecoDevis einen Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstosses im Bau leisten – sie können die entsprechenden Produkte einfach bestellen und so ihre Verantwortung wahrnehmen. Ausschreibungen können damit einfacher, schneller, zuverlässiger und günstiger abgewickelt werden. Wann diese neuen Informationen im NPK verfügbar sein werden, ist noch nicht klar. «Wir gehen aber davon aus, dass das ab Anfang 2025 der Fall sein wird», so Marianne Stähler.

Grundsätzlich sollen ökologisch vorteilhafte Produkte wie bis anhin mit Materialempfehlungen 1. und 2. Priorität ausgezeichnet werden. Die Neuerungen betreffen in erster Linie den Indikator CO2, Anpassungen in der Nutzungsphase und Verschärfungen in der Entsorgung.

CO2/Treibhausgase: Neu wird der Indikator CO2 für die Herstellung und Entsorgung mitbewertet (bisher wurde er nur ausgewiesen).

Nutzungsphase: Neu gibt es Anpassungen bei wasserverdünnbaren Produkten, die organische Lösungsmittel enthalten, sowie eine strengere Berücksichtigung von Bioziden.

Entsorgung: Bisher mussten Produkte oder Materialien lediglich einen der drei ökologischen Entsorgungswege (Recycling, «unschädliche» Verbrennung oder Ablagerung auf einer Deponie vom Typ B) erfüllen, um eine ökologische Bewertung zu erhalten. Neu gilt, dass es möglich sein muss, Produkte zu rezyklieren oder wiederzuverwenden oder dass sie aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen müssen, um in der Entsorgung die beste Bewertung zu erhalten (eco1).

Der 2004 gegründete Verein ecobau ist ein Zusammenschluss verschiedener Bauämter von Bund, Kantonen und Städten und umfasst insgesamt 70 Mitglieder, darunter auch Bildungsinstitutionen und Organisationen wie CRB und die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren KBOB. Ziel und Zweck des Vereins ist die breite Verankerung von ökologischem und gesundem Bauen. Er unterstützt öffentliche und private Bauherren mit verschiedenen Planungsinstrumenten und Standards. Er entwickelt für die Gebäudelabelfamilie Schweiz die Vorgaben für gesunde und ökologische Gebäude.

Interessante Zahlen

  • 2’300 zertifizierte ecoProdukte, davon 1098 eco1, 448 eco2, 676 ecoBasis (Stand August 2023).
  • 2’000 provisorisch zertifizierte Gebäude nach dem Standard Minergie(-P/-A)-ECO von 2017 bis 2021. Dabei machen Wohnbauten, Schulen und Verwaltungsgebäude rund drei Viertel aus.
  • 51 % der ecoProdukte mit Angaben zu CO2. Dieser Wert schafft Transparenz, um ecoProdukte in eine klimagerechte Bauweise einzuordnen.